REVIEW// Atelier Escha & Logy: Alchemist of the Dusk Sky – PS3

Deutschland gehört zu einen der wenigen privilegierten Länder, die sich auch auf nationaler Ebene über japanische Titel erfreuen können. Während die Xbox-Spate immer öfters in die Röhre schaute, sorgte der gigantische Softwarekonzern, Sony dafür, dass auch der deutsche PSN-Store prall gefüllt mit japanischen Spiele-Hits ist. Und dies mit einem Erfolg, der jedes Jahr größere Kreise nach sich zieht, denn wo einst die überwiegend aus Rollenspielen bestehende Sammlung nur als Nische galt, ist heute nicht mehr aus Software-Geschäften weg zu denken. Neben phänomenalen Titeln wie Ableger des Final Fantasy-Franchises, der Tales Of oder der Persona-Serie, gibt es auch Newcomer, welche die Fangemeinde mit jeder Fortsetzung vergrößert.

Eines dieser Neulinge gehört zur Atelier-Familie und stammt aus keinem geringeren Entwicklerstudio als Tecmo Koei, welche hinter dem kürzlich erschienene Meisterstreich Toukiden: Age of Demons stecken. Wir haben Atelier Escha & Logy – Alchemist of the Dusk Sky in unser Testlabor begrüßen dürfen und werden euch in diesem Test sagen, ob das neue Familienmitglied dem Namen gerecht wird oder es besser in den japanischen Grenzen hätte bleiben sollen.

Die Pforten der Alchemie öffnen sich aufs Neue…

Ein neues Jahr und somit auch ein weiteres Spiel aus dem Atelier-Franchise. Wo aber im Vorgänger eine recht hohlköpfige Protagonistin durch die Weltgeschichte von Ayesha stolperte, finden nun ganze Zwei Hauptdarsteller den Weg in die Welt der Alchemie. Dabei handelt es sich einmal um die unerfahrene Alchemistin Escha Malier und den Veteran Logix Ficsario. Die junge Escha trat erst kürzlich der Stadtverwaltung der Kleinstadt Colseit bei. Sie hegte schon seit ihrer Kindheit an der Alchemie, denn ihre Mutter, welche ebenfalls auf diesem Gebiet tätig war, brachte ihr immer wieder traditionelle Techniken bei.

Jedoch konnte sie seitdem nicht mehr weiter lernen und bleib so auf ihrem Anfänger-Level sitzen. Logix, der von Freunden und Bekannten Logy genannt wird, ist hingegen ein durch und durch erfahrener Fachmann auf seinem Gebiet welcher sogar in der Hauptstadt namens Central City ausgebildet wurde. Dieser beschloss in eine Stadt verlegt zu werden, in der fähige Männer gebraucht werden und so bot sich die Kleinstadt Colseit an, welche eine absolute Not am Mann zu beklagen hatte.

Durch diese Wendung kommen die beiden Protagonisten zusammen. Die Hauptgeschichte beginnt vier Jahre vor dem Ereignis des Spiels, denn das war der Moment in der eine Ruine entdeckt wurde, welche nicht betreten werden konnte. Die Abteilung für Wissenschaft und Technik beschloss somit eine weitere Division anzuheuern um diese zu erkunden. Um dies Möglich zu machen, wurden moderne wie konservative Techniken zusammen getragen um es zu ermöglichen. Nach den vier Jahren, finden unsere beiden Helden den Weg in die Geschichte. Was das wahre Geheimnis der Ruine ist, müsst ihr jedoch selbst herausfinden.

Das richtige Zeit-Managment ist der Schlüssel zum Erfolg…

Vorab müssen wir klar vermerken, dass es sich bei der Atelier-Serie nicht um ein typisches J-RPG handelt. Der japanische Entwickler wagte nämlich ein Feature, dass auch schon für Kritik sorgte. Dabei handelt es sich um die von selbst ablaufende Zeit, welche in vorherigen Ablegern für die ein oder andere Stressattacke sorgte. Zum Glück wurde in diesem Teil der Serie, ein sehr faires Verhältnis gefunden, wodurch ein gewisser Zeitdruck vorhanden ist, dieser jedoch nicht den Spielspaß behindert oder gar für Frust sorgt. Wer aber die meiste Zeit damit verbringt, das Waffenarsenal auf das Maximum zu verbessern, verpasst das Auslösen der Side-Quests, wer aber gar keine Zeit in das Aufbessern der Waffen steckt, wird von den unterschiedlichen Monstern zerhäckselt.

Das Kampfsystem selbst bietet auch kleinere Innovationen, da es die grundlegende Strategie-Formula nicht reduziert, sondern bietet neben den drei aktiven Kämpfern auch weitere drei Reserve-Charaktere an, welche gewisse Support-Fähigkeiten besitzen, wodurch diese nicht wie in anderen Spielen nutzlos im Hintergrund rumstehen. Der Hacken am Ganzen entfaltetet sich aber im Geldsystem, denn Geld ist eine Seltenheit, welche den Spielfluss hemmt. Während die Haupteinnahmequelle die monatliche Finanzierung der Organisation darstellt, geben Kämpfe so wenig Kröten, sodass jeder Cent zwei mal gewendet werden muss. Mit dem Zeitlimit im Nacken, lässt es sich natürlich nicht nach Lust und Laune farmen. Im Endeffekt hatten wir viel zu oft das Gefühl, dass unsere Finanzen noch den letzten Nerv kosten könnten. Im Kampfsystem ist es zum Beispiel sehr viel praktischer Kampfmittel wie Granaten und Co. zu verwenden, diese müssen jedoch erworben werden, welche nach Benutzung automatisch im Stadt-Lager nach gekauft werden. So erlebten wir, dass wir noch vor der Monatsmitte dem Bankrott gefährlich nahe rückten.

Hoch lebe das Cel-shading…

Das grafische Niveau von Atelier Escha & Logy – Alchemist of the Dusk Sky ist weit über dem durchschnittlichen PS3-Titel und macht Lust auf mehr. Egal ob es die reichen Charakter-Details, die kreative Landkarte oder die liebevoll gestalteten Städte sowie Umgebungen: Tecmo Koei wusste, wie sie uns um den Finger wickeln können. Selbst die nervtötende Einspielzeit die mehrere Studen beträgt, konnten wir dadurch verzeihen. Die Art der optischen Präsentation ähnelt sehr stark an Borderlands, da der Cel-Shader sehr viel Einfluss auf das finale Bild hat. Zudem wird eine unglaubliche Menge an Artwork und Cut-Szenen gezeigt, die für ein sehr hohes Suchtgefahr sorgt. Insgesamt braucht sich das J-RPG der anderen Art nicht vor Grafik-Krachern wie Final Fantasy zu verstecken. Zudem wird auch im Kampfsystem mit schönen Animationen und aufpolierten Moves gepunktet, welches für ein Spiel mit diesen Eigenschaften unverzichtbar ist.

Akustische Monotonie? Fehlanzeige…

Es ist kein Gerücht, das japanische Entwickler ihre Seele in jedes ihrer AAA-Produktionen stecken, jedoch betrifft dies nicht nur technische und grafische Aspekte, sondern auch die Akustischen. Mit satten 92 Musikstücken, werden Welten, Kämpfe und Ereignisse verfeinert. Durch die gigantische Vielfalt ist die Gefahr minimal, dass gewisse Lieder zu oft wiederholt werden. Es gibt immer wieder Momente, in denen wir uns über die reiche Palette des Soundtrack-Lagers wunderten. Während die Kompositionen einen geringen Wiedererkennungswert aufweisen konnte, konnte die vielseitige Masse doch immer und immer wieder eine gewisse Atmosphäre aufbauen. Im Zusammenspiel mit der soliden Grafik, wird das Erlebnis um einiges besser. Denn schon in vorherigen Reviews mussten wir diesen Aspekt bemängeln. Im Vergleich zu den vorherigen Franchise-Ableger, gibt es nicht nur mehr sondern auch bessere Musik. So markiert Atelier Escha & Logy – Alchemist of the Dusk Sky auch in diesem Bereich den Höhepunkt der Serie.

Jahr für Jahr, jedoch immer besser…

Wir haben einige Stunden in der Welt von Atelier Escha & Logy – Alchemist of the Dusk Sky. Es waren unter anderem Stunden, die zu Beginn von einer schmerzhaft langwierigen Einspielphase geprägt war, sobald das eigentliche Spiel los ging, konnten wir es nicht mehr leugnen: wir sind dem J-RPG komplett verfallen. Ursprünglich schreckte die Atelier-Serie so manch einen Spieler durch den immensen Zeitdruck ab, in diesem Teil des Franchises wurde jedoch eine so passende Mitte gefunden, dass wir nicht ständig befürchten mussten, dass das Spiel an uns vorbei zieht, mussten jedoch sinnloses umher trödeln vermeiden. Das Kamfpsystem erwies sich an manchen Stellen zäh, aber auch hier hat sich die berühmte Spieleschmiede gesteigert und die ursprüngliche Reserve-Bank durch Support-Fähigkeiten in das Geschehen integriert. Im Bereich Musik und Grafik wurde jedoch der Vogel ohne weiteres abgeschossen, denn neben der phänomenalen Grafikpracht in Art-Design-Manier baute auch die Musik eine Atmosphäre auf, die im Zusammenspiel den Suchtfaktor in die Höhe brachten. Die Hauptgeschichte zeichnete sich nicht durch grenzenlose Kreativität aus, jedoch wurde das Manko durch die Nebengeschichten kompensiert, welche so lang und unterhaltend waren, dass der Mainplot sehr stark in den Hintergrund geschoben wurde.

Fazit, Pro und Kontra…

Pro:
Wie schon öfters im Review erwähnt, zeichnet sich Atelier Escha & Logy durch die wunderschöne Grafik aus. Charaktere sind liebevoll gestaltet und erwecken schnell Sympathie. Zudem spürten wir, welchen Ehrgeiz Tecmo Koei in die Entwicklung steckte, denn viele Dinge, wie die detailreiche Weltkarte waren von Hand gezeichnet. Zudem sorgten die unzähligen instrumentalen Musikstücke für eine willkommene und einladende Atmosphäre. Letzten endlich sorgte das Alchemie-System sowie die vielen Side-Quests, dass wir uns erst nach vielen Stunden von Colceit trennen.

Kontra:
Auch wenn das Zeit-Feature eine kleine Innovation in der RPG-Branche ist, konnten wir uns nicht damit anfreunden, zu oft wollten wir einfach rumstehen oder mit Monstern kämpfen. Zudem gab es Kämpfe, die zwar hart und zäh waren, sich jedoch am Ende so gut wie gar nicht rentierten. Das letzte Minus geht an die recht flache Geschichte, welche jedoch noch von den vielen Neben-Aufgaben aufgefangen wird.

Fazit:
Endlich ist es soweit: ein weiteres J-RPG landet auf deutschem Boden, welches das Herz von sämtlichen Spielern erobern könnte. Neben dem visuellen Augenschmaus hat uns die Arbeit als Alchemist so motiviert, dass wir es sogar erneut spielen wollten. Mit all den Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr, bläst Tecmo Koei frischen Wind in unsere Segeln. Wir, aus der Gamerinside-Redaktion, können Atelier Escha & Logy – Alchemist of the Dusk Sky nur empfehlen. Wer auch nur eine kleine Schwäche für Rollenspiele hat und die Geduld aufbringt um durch das zähe Einspielen kommt, wird voll auf seine Kosten kommen!