Naturbeobachtung mit dem Fernglas – Ein Ratgeber für den Kauf

Wanderungen und Beobachtungen in der Natur sind für viele Menschen eine Möglichkeit, um der Hektik des Alltags zu entfliehen. Ein Blick in die Ferne ist sehr reizvoll. Da kommt schnell der Wunsch auf, mehr zu sehen. Ein Fernglas ist dann der ideale Begleiter. Doch welches soll es denn sein? Dieser kleine Ratgeber gibt einen Überblick über geeignete Ferngläser und Hilfe bei der Kaufentscheidung.

Der Einsatzzweck bestimmt die Größe

Das „richtige“ Fernglas für Beobachtungen in der Natur gibt es nicht. Die Kaufentscheidung sollte sich am Einsatzzweck orientieren. Der Wunsch nach einem leistungsstarken Fernglas mit einer hohen Vergrößerung ist verständlich. Doch die Praxis sieht etwas anders aus.

Der Naturfreund, der gerne wandert, benötigt ein Fernglas, dessen Gewicht sich in Grenzen hält. Die großen Ferngläser über 50 mm Objektivdurchmesser können sehr schwer werden. Für Tagbeobachtungen ist eine solch große Öffnung gar nicht notwendig. Wie in der Astronomie beim Fernrohr, dient ein großer Objektivdurchmesser in erster Linie dazu, das Lichtsammelvermögen zu erhöhen. Am Tage aber völlig überflüssig. Solch großen Instrumente bringen da keinen Gewinn. Als optimal gelten Ferngläser mit den Parametern 8 x 30 oder 10 x 32. Dabei gibt die erste Zahl die Vergrößerung an, die zweite den bereits erwähnten Objektivdurchmesser in Millimetern. Diese kompakten Geräte sind gut zu handhaben und lassen sich platzsparend im Wandergepäck unterbringen. Um in die Ferne zu schweifen, sind Ferngläser dieser Größenordnung optimal und eine klare Kaufempfehlung.

Für viele Naturfreunde ist es reizvoll, Tiere in freier Wildbahn zu beobachten. Doch diese sind meist scheu, also heißt es Abstand halten. In diesem Fall ist es sinnvoll, die größere Entfernung mit einer höheren Vergrößerung zu kompensieren. Hier gelten Geräte ab 10facher Vergrößerung als Standard (wie zum Beispiel ein Fernglas 10 x 50 oder 12 x 50). Für eine noch bessere Erkennbarkeit von Details gibt es Ferngläser bis zur 20fachen Vergrößerung, dann aber mit mindestens 70 Millimeter Objektivdurchmesser. Warum so ein großes Objektiv auch für die Tagbeobachtung? Der Grund liegt in den Gesetzen der Optik, denn je höher die Vergrößerung, desto niedriger ist die Lichtstärke (bezogen auf den gleichen Objektivdurchmesser).

Ein wichtiger Aspekt wird gerade von Neueinsteigern oftmals übersehen. Es erscheint naheliegend, das Fernglas wegen seiner unkomplizierten und kompakten Bauweise freihändig zu benutzen. Doch schon ab 12facher Vergrößerung macht sich die unvermeidliche Zitterbewegung der Arme unangenehm bemerkbar. Eine längere Beobachtungszeit führt recht bald zum Ermüden der Arme. Abhilfe schafft hier ein Stativ. Diese nützlichen Helfer werden so leicht wie möglich gefertigt, beanspruchen aber natürlich mehr Platz im Gepäck.

Beobachtungen in der Dämmerung und nachts

Für eine Pirsch in der Dämmerung und nachts gelten wiederum andere Kriterien. Um Details sehen zu können, muss das Bild des Fernglases eine gewisse Helligkeit aufweisen. Hier ist ein Instrument mit hohem Lichtsammelvermögen gefragt. Der entscheidende Parameter ist hier die sogenannte Dämmerungszahl. Je höher die Dämmerungszahl ist, umso besser werden Details auch in der Dunkelheit erkennbar sein. Eine mittlere Vergrößerung (8fach bis 12fach) bei einem Objektivdurchmesser von 50 Millimetern bis 70 Millimetern bringt hier die besten Ergebnisse.

Robustheit ist Pflicht

Für den rauen Einsatz im Outdoor-Bereich ist es sinnvoll, ein Fernglas in wasserdichter und staubgeschützter Ausführung anzuschaffen. Ein Malheur ist schnell passiert. Das Fernglas kann herunterfallen oder auch mal in Kontakt mit Wasser kommen. Bei Einsätzen in der Natur fast schon ein Muss ist eine Gummiarmierung. Diese schützt die teure Optik und das Gehäuse vor Beschädigungen.